Pressespiegel (Auswahl) Interviews Deutsche Presse-Agentur, 2.9.2006 Kriminalität / (dpa-Gespräch) Experte: Serien-Sexualmörder suchen Opfer meist in näherer Umgebung Frankfurt/Düsseldorf (dpa/lhe) Serien-Sexualmörder suchen sich ihre Opfer meist in der Nähe vertrauter Orte. "In Dreivierteln aller von mir untersuchten Fälle war der Kontaktort nicht weiter als 20 Kilometer vom Ankerpunkt des Täters entfernt", berichtete der Kriminalist Stephan Harbort in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. So genannte Ankerpunkte könnten aktuelle und frühere Wohnorte, die Arbeitsstelle, Wohnorte von nahen Verwandten oder frühere Ferienziele der Täter sein. "Rund 60 Prozent der Täter bewegen sich nicht einmal zehn Kilometer, um ihre Opfer zu finden", sagte der Hauptkommissar und Buchautor ("Das Serienmörder-Prinzip") aus Düsseldorf, der 153 Taten von 49 verurteilten Mördern auf geographische Auffälligkeiten untersucht hat. Dabei förderte Harbort noch weitere erstaunliche Zusammenhänge zu Tage, wie zum Beispiel den Umstand, dass jüngere Täter noch reiseunlustiger sind als ältere Täter. Ereignete sich die Tat in einer geschlossenen Räumlichkeit, könnten die Ermittler mit einer hohen Sicherheit davon ausgehen, dass der Täter aus der nächsten Umgebung komme. "Der Leichenfundort gibt hingegen vergleichsweise wenig Hinweise auf einen Ankerpunkt des Täters", sagte Harbort. Nur in jedem 20. Fall verlagere sich das Tatgeschehen - etwa zum Ablegen der Leiche - in ein anderes Bundesland. In standardisierten Befragungen hätten die Serienmörder zu erkennen gegeben, dass sie bei ihren Taten einem Sicherheitskreis um ihren Ankerpunkt keine Bedeutung zumaßen. Es sei ihnen vielmehr häufig darauf angekommen, sich gut auszukennen, falls Probleme aufträten. Nach Einschätzung Harborts sind in Deutschland mindestens 15 Serienmörder auf freiem Fuß, längst nicht alle handelten aus sexuellen Motiven. In den Jahren 1996 bis 2005 seien in Deutschland 188 Tötungsdelikte zu Mordserien zu rechnen. Von diesen Verbrechen habe die Polizei 81 Prozent aufgeklärt. Sie wurden 41 Tätern zugeordnet, darunter neun Frauen. Gut die Hälfte der Opfer waren Männer. |