Pressespiegel Rezensionen Begegnung mit dem Serienmörder - Jetzt sprechen die Opfer Mitteldeutsche Zeitung, 20.09.2008 VON HAJO KRÄMER ÜBERLEBENSHILFE / Begegnung mit einem Serienmörder / Kommissar entschlüsselt Opfer-Täter-Verhältnis Sind Sie schon einmal einem Serienmörder begegnet? Blöde Frage, Sie leben ja noch. Doch die Frage ist gar nicht so abwegig, wenn man erfährt, dass in Deutschland bisher 107 Opfer eine solche Begegnung überlebt haben - oft für immer traumatisiert. Und dass ein Serienmörder bis zu 20, 30 Mal vergebens Anlauf nimmt, bis er ein "geeignetes" Opfer gefunden hat. Eine grausige Vorstellung. Aber Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort will mit solchen Informationen alles andere als erschrecken oder Panik machen. Im Gegenteil: Nach 16 Jahren Forschungsarbeit hat er mit seinem Buch "Begegnung mit dem Serienmörder" einen dramaturgisch drastischen Versuch unternommen, das Verhältnis von Opfern und Tätern zu entschlüsseln. Rettendes Bauchgefühl Harbort sprach mit beiden Seiten über die schrecklichen Verbrechen um Antworten auf Fragen zu finden, die sich in Zeiten medialer Dauerpräsenz von Mord und Totschlag vor allem viele Frauen stellen: Wie kann ich mich, wie können sich meine Kinder vor diesen Tätern schützen? Wodurch werde ich nicht zum Opfer? Und was kann ich tun, wenn sich doch solch ein Mörder an mir vergreift? Die Gespräche gehen durchaus an die Nieren und am Ende steht keine Liste mit Handlungsanweisungen. Wann immer sich ein Anhaltspunkt für rettendes Opferverhalten ergibt, macht Harbort zugleich klar, dass dies nicht als Patentrezept taugt. Aber das Buch schärft die Sinne, auch den siebenten, das rettende Bauchgefühl, wenn man sich allzu sicher fühlt und denkt: Hier doch nicht, jetzt doch nicht, so doch nicht. Und es schafft eine Ahnung davon, wonach Täter die Entscheidung fällen: "Ja, du bist ein Opfer" oder "Hände weg!" Ein ehrliches Buch. S. Harbort: "Begegnung mit dem Serienmörder". Droste. 336 S., 19,95 Euro. |