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Begegnung mit dem Serienmörder - Jetzt sprechen die Opfer

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Westdeutscher Rundfunk, 23.10.2008

Dem Mörder entkommen

Claudia Pfeiffer wurde vor fast 20 Jahren von einem Mann überfallen und fast zu Tode gewürgt. Sie überlebte und half, den Mann hinter Gitter zu bringen. Doch er kam wieder frei. Erst bei seiner erneuten Festnahme erfuhr sie, dass der Täter mehr als ein Dutzend Frauen getötet hat, Obwohl er sich mittlerweile das Leben genommen hat, leidet Claudia Pfeiffer bis heute unter den Folgen des Mordversuchs. Der Kriminalist Stephan Harbort hat beobachtet: Serienmörder suchen sich gezielt unbekannte Opfer, fast immer Frauen. Claudia Pfeiffer ist eine von ihnen. Opfer eines Serienmörders

Claudia Pfeiffer wurde mit 16 Jahren Opfer eines Serienmörders und leidet bis heute

Claudia Pfeiffer ist sechzehn, als sie das erste Mal länger ausgehen darf. Nachdem sie sich von ihren Freundinnen verabschiedet hat verfolgt sie ein Mann. Alles geht ganz schnell. Er überwältigt sie und würgt sie bis zur Bewusstlosigkeit. Doch sie überlebt, geht zur Polizei und hilft, den Mann zu fassen. Er wird wegen Mordversuchs an ihr und einer anderen Frau zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Claudia Pfeiffer leidet bis heute. Auch zwanzig Jahre nach der Tat wirken die Ängste fort. So wie ihr geht es fast allen Opfern. Meist unterschätzen sie Anfangs das Ausmaß der psychischen Belastung, erst mit den Jahren wird die ganze Dimension deutlich.

Claudia Pfeiffer hat nie eine Therapie angeboten bekommen. Bis heute, versucht sie mit Hilfe ihrer Familie alleine klar zu kommen. Während der Staat die Täter drängt, Therapien in Anspruch zu nehmen, um ihre Verhaltensweisen zu verändern, sind die Opfer allein auf sich gestellt. Es ist schwer, einen geeigneten Therapeuten zu finden und es gibt keinen Anspruch auf Zahlung einer solchen Behandlung.

Opfer sind meist Frauen

Stephan Harbort ist Kriminalist und Autor.

Kriminalist und Autor Stephan Harbort beschäftigt sich seit langem mit Serienmördern. In seinem neuen Buch interessiert er sich für die Opfer. Anders als bei klassischen Gewaltverbrechen, bei denen sich in 80 Prozent der Fälle Täter und Opfer kennen suchen die oft sexuell motivierten Wiederholungstäter, die Serienmörder, gezielt nach Unbekannten. Die Anonymität gibt ihnen erst das Gefühl von Macht, das sie für ihre Tat brauchen.

Bei seinen Gesprächen mit Opfern und Tätern hat Harbort festgestellt, dass in vielen Fällen die Taten keinen geradlinigen Verlauf nehmen. Oft suchen die Täter lange, bis sie ein geeignetes Opfer finden und je nachdem wie es sich verhält, lassen sie auch von ihrem Tatvorhaben ab. Wenn es den Opfern gelingt, vom Täter als Mensch wahrgenommen zu werden tun sich die Männer sehr schwer den geplanten Mord umzusetzen. Doch es gibt kein Patentrezept. Während etwa manchmal die selbstbewusst auftretende Frau den Täter verschreckt, macht in anderen Fällen gerade der Widerstand eines Opfers den Täter erst recht aggressiv.

Leben mit der Angst

Das traumatische Geschehen bleibt ein Leben lang unvergessen.

Im Fall von Claudia Pfeiffer wird kein Wort gewechselt. Sie hat keine Chance, den Tathergang zu beeinflussen. Wie viel Glück sie hatte zu überleben, wird ihr erst zwanzig Jahre später klar, als der Täter erneut gefasst wird. Er hat nach seiner vorzeitigen Freilassung aus dem Gefängnis mindestens ein Dutzend Frauen umgebracht.

Für Claudia Pfeiffer ist das ein erneuter Schock, denn jetzt wird ihr klar, dass sie den Angriff eines Serienmörders überlebt hat. Es kommt noch einmal alles hoch. Als der Mann sich kurz darauf, vor etwa einem Jahr, im Gefängnis das Leben nimmt, hofft Claudia Pfeiffer, dass sie nun eine Chance hat, das Grauen hinter sich zu lassen. Sie weiß, dass das nicht einfach wird, denn sie hat eine Tochter und die Ängste, die sie schon so lange begleiten werden so immer wieder wach.


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