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Eßlinger Zeitung, 06.10.2007

Hörspiel-Edition: "Phänomen Serienmörder"

Unter dem Reihentitel "Phänomen Serienmörder" sind bisher bei Mediaphon vier CDs erschienen, die sich in der Form von Features mit authentischen Verbrechen auseinandersetzen. Am Beginn führt Stephan Harbort - stellvertretender Leiter eines Kriminalkommissariats beim Polizeipräsidium Düsseldorf und Spezialist für dieses Gebiet - mit Überlegungen zur Gesamtproblematik und zum jeweils konkreten Fall in die Materie ein. Die beiden vorliegenden CDs behandeln im Rahmen einer an sich schon außergewöhnlichen Thematik zwei besonders ausgefallene Geschichten: In der einen begegnet uns nämlich eine Serienmörderin, die aufgrund ihrer Tötungsart mit Gift den treuherzig und geradezu anheimelnd wirkenden Spitznamen "Blaubeer-Mariechen" erhalten hatte. Immer wenn ihr einer ihrer Ehemänner lästig wurde, entledigte sie sich seiner durch eine tödliche Dosis E 605, das sie mitunter dem Nachtisch beifügte. Lange Zeit blieb sie unentdeckt, weil man die so überaus freundliche ältere Dame keinerlei böser Tat für fähig hielt.

Neben dem Fall selbst sind die Ausführungen von Harbort höchst interessant, der unter anderem auf die geschlechtsspezifische Motivation von Morden eingeht: Während der Mann in der Regel damit Macht ausüben will, tötet eine Frau vor allem, um sich gegen Fremdherrschaft zu wehren; dies gelte bis zu einem gewissen Grad sogar für das "Blaubeer-Mariechen".

Die andere Mordserie, die unter dem Titel "Geheime Privatsache" vorgestellt wird, ereignete sich in den späten Jahren der DDR, wo die Öffentlichkeit schon aus ideologischen Gründen über solche Verbrechen nicht informiert wurde. Die Fahndung musste deshalb sehr vorsichtig und im Geheimen erfolgen. Die Ermittlungen wurden dadurch natürlich erschwert, und nach Ergreifung des Täters wurde dafür gesorgt, dass das Verfahren nicht publik wurde.

Beim Gesuchten handelte es sich in diesem Fall zudem um einen Angehörigen der Volksarmee, was den Umgang der Behörden mit der brutalen Verbrechensserie noch heikler machte. Der junge Soldat ermordete mehrere Kinder offenbar aus purer Lust am Töten - er wolle, wie er in einem eigenen, akribisch geführten und von ihm selbst als "Geheime Privatsache" betitelten Bericht schrieb, seine Opfer sterben sehen. Die psychische Wurzel dieser Neigung lag - wie oft bei solchen Fällen - in einer gestörten eigenen Entwicklung. In der Mediaphon-Veröffentlichung mit Stephan Harbort wird auch dieser grausige Mord-Komplex informativ und mit allen Hintergründen dargestellt.


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