Pressespiegel (Auswahl) Rezensionen "Ich musste sie kaputtmachen" Neue Rhein Zeitung, 22.05.2004 (Andreas Quinkert) Reise in die Abgründe der Seele KRIMINALGESCHICHTE / Ein neues Buch über den Triebtäter Joachim Kroll zeigt den Menschen hinter dem Mörder. Wenn man heute durch die Friesenstraße in Duisburg-Laar spaziert, so ist es unvorstellbar, dass die beschauliche Arbeitersiedlung vor 30 Jahren Schauplatz eines furchtbaren Verbrechens war: Hier wurde 1976 der unscheinbare Waschkauenwärter Joachim Kroll nach dem bestialischen Lustmord an einem 4-jährigen Nachbarskind in seiner Wohnung von der Polizei gefasst. Ein mit Leichenteilen verstopftes Abflussrohr hatte die anderen Mieter alarmiert. Mordserie blieb 20 Jahre unaufgeklärt Was die entsetzten Beamten zunächst nicht ahnten: Mit Kroll war ihnen der wohl schlimmste Serienmörder der Nachkriegszeit ins Netz gegangen. Endlich. Denn alleine im Raum Duisburg hatte Kroll vier Morde begangen. Mindestens acht weitere Morde an überwiegend jungen Frauen und Männern am Niederrhein und im nördlichen Ruhrgebiet gestand der als "netter Nachbar" geltende Einzelgänger später in den Verhören. Neben den schrecklichen Details seiner Taten schockierte vor allem Krolls fast schon beiläufiger Tonfall während der Vernehmungen bundesweit die Öffentlichkeit. Ein "Jahrhundert-Fall", der sich nicht zuletzt durch Krolls nekrophile und kannibalische Neigung als eines der düstersten Kapitel der deutschen Kriminalgeschichte erwies. Mit "Ich musste sie kaputt machen" hat jetzt der Düsseldorfer Hauptkommissar und Sachbuchautor Stephan Harbort ("Das Hannibal-Syndrom") den "Fall Kroll" aufgearbeitet. Anhand von Gerichtsakten, Protokollen und eigenen Recherchen hat der 40-jährige Serienkiller-Experte die Mordserie des geistig zurückgebliebenen, aber dennoch perfide planenden Kroll zu einer beklemmenden und spannenden Lektüre verdichtet. "Für mich war dieser Fall interessant, weil Kroll mehr als 20 Jahre unbehelligt morden konnte. In dieser Zeit konnten sich seine Perversionen voll ausprägen", so Harbort über den bizarren Sexualmörder. Nichts für Zartbesaitete. Trotz aller professionellen Distanz stieß auch der Autor dabei an seine Grenzen: "Wenn Kroll ein 4-jähriges Mädchen in seine Wohnung lockt und dann Dinge mit ihr tut, die man sich kaum vorstellen mag, dann verspüre auch ich wirklichen Zorn auf dieses `Monster." Gleichwohl stecke dahinter aber immer ein Mensch. Harborts Anspruch war es, "nicht nur den Opfern, sondern auch dem Täter gerecht zu werden". Dieser schriftstellerisch hochsensible Spagat ist Harbort gelungen, indem er Krolls unglückliche Kindheit in Oberschlesien und dessen soziale wie sexuelle Isolation als Heranwachsender zwar behutsam diskutiert und mitverantwortlich macht für die späteren Morde, zuletzt aber keinerlei Zweifel an der Abscheulichkeit von Krolls Taten aufkommen lässt. Unglückliche Kindheit und soziale Isolation Dennoch: "Auch die Täter haben das Problem, mit einer enormen seelischen Schuld umgehen zu müssen." Auf der Suche nach Rechtfertigungen seien sie darauf angewiesen, "ihre Taten zu versachlichen, um deren unvorstellbare Grausamkeit nicht an sich heranzulassen", erklärt der Profiler. Dokumentiert wird diese mörderische Kälte durch die Verhörprotokolle im letzten Drittel des Buches: Spätestens hier wird deutlich, warum Kroll selbst nach "lebenslänglich" verbüßter Haftstrafe als nicht re-integrierbar in die menschliche Gemeinschaft gegolten hätte: Reue für seine Morde zeigte er nie. Kroll starb 1991 noch in Haft 58-jährig an Herzversagen. Die Frage nach einer möglichen Entlassung stellte sich somit erst gar nicht. |