Pressespiegel (Auswahl) Rezensionen "Ich musste sie kaputtmachen" Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 02.10.2004 (Martin Spletter) Verstörende Einblicke in eine kranke Seele An eine der düstersten Mordserien der deutschen Kriminalgeschichte erinnert jetzt ein Buch: Der Duisburger Hilfsarbeiter Joachim Kroll brachte 21 Jahre lang Menschen um. "Ich musste sie kaputt machen" heißt die Neuerscheinung, die verstörende Einblicke in eine zutiefst kranke Seele gewährt. Die Polizei schnappte Kroll im Sommer 1976, da hatte er gerade ein Mädchen umgebracht, viereinhalb Jahre alt. Sie kamen dem Mörder nur auf die Schliche, weil plötzlich die Rohre im Haus verstopft waren - mit Gedärmen. "Ich habī ein Kaninchen geschlachtet", stammelte Kroll noch - eine hilflose Ausrede, als die Polizeibeamten in seine Dachgeschosswohnung traten. Das mit dem Schlachten stimmte. Es war nur kein Kaninchen. Nach seiner Festnahme bekannte sich Kroll zu einer Tat nach der anderen, zögerlich und mit dürren Worten wie: "Habīse kaputt gemacht." Kroll kam für ein knappes Dutzend ungeklärter Tötungsdelikte in Frage - in Duisburg, Essen, Marl, im Münsterland, bei Solingen. Der kleine Mann mit Halbglatze, Segelohren und fliehendem Kinn hatte 21 Jahre lang Frauen umgebracht und kleine Kinder, hatte sie erwürgt und sich daran geweidet, seine Opfer sterben zu sehen. Nur dann konnte er so etwas wie Erregung empfinden. "Das war so ein Kribbeln, ich konnte nicht anders", sagte er der Polizei. Zuletzt wurde er zum Kannibalen und tat das Unaussprechliche. Kroll kam 1952 aus Oberschlesien ins Ruhrgebiet. Vom Vater stets als Versager gescholten und mit nicht mehr als vier Jahren Volksschulbildung ausgestattet, verdingte er sich als Hilfsarbeiter, als Knecht auf Bauernhöfen und schließlich als Waschkauenwärter bei Mannesmann in Duisburg. Anerkennung anderer erhielt er nie, und jeder Versuch, sich den Frauen auf üblichem Weg zu nähern, schlug fehl. Kroll, der sich denkbar schlecht mit Worten ausdrücken konnte und dessen auffälligste Eigenschaft eine eigentümliche Teilnahmslosigkeit war, erntete Absagen, Ohrfeigen, höhnisches Lachen. In Kroll staute sich etwas an - eine Mischung aus Groll, Enttäuschung und Verzweiflung, die sich später folgenreich entlud und in groteske Perversionen ausartete. Anders als der Fall Jürgen Bartsch aus den 60er Jahren geriet Kroll weitgehend in Vergessenheit. Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort aus Düsseldorf erinnert jetzt mit seinem Buch daran: "Ich musste sie kaputt machen" rekonstruiert Leben und Morden des Joachim Georg Kroll. Der etwas reißerisch geratene Untertitel "Anatomie eines Jahrhundert-Mörders" sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Werk um größtmögliche Differenzierung bemüht, nicht um den Effekt. Kriminalist und Serienmord-Experte Harbort studierte Gerichts- und Polizeiakten, forensische Gutachten, Protokolle und sah sich um an den Orten des Geschehens. Harbort, der selbst nie in dem Fall ermittelt hat, entwirft das Bild eines Täters, der im Leben immer abseits stand. Lässt den Leser Anteil haben an den schlichten Gedanken Krolls und veranschaulicht, soweit das möglich ist, Krolls morbide Logik des Tötens. Nicht nur auf den Mörder, auch auf den Menschen Kroll wirft Harbort Licht. Wie einer vom einsamen Sonderling zum psychopathischen Serienkiller wird - das versucht das Buch zu erklären. Es gelingt, doch so viel Grauen muss am Ende unerklärlich bleiben. Kroll starb 1991 im Gefängnis an einem Herzinfarkt - so, wie er gelebt hatte: allein. |