Pressespiegel (Auswahl) Rezensionen Das Serienmörder-Prinzip Düsseldorfer Anzeiger, 6.9.2006 Das Serienmörder-Prinzip: Eine Begegnung mit Monstern (ho) Serien-Killer sind unheimlich schlau. Bis ein ganz toller Ermittler kommmt. Natürlich von der US-Bundesbehörde FBI. Der ist dann noch schlauer, selbst ein bisschen irre und zack! Hanibal Lecter und Co. landen im Knast. Genau an diesem Punkt beginnt die Arbeit des Düsseldorfer Kriminalhauptkommissars Stephan Harbort. "Diese ganze FBI-Geschichte ist einfach ein Mythos!" Harbort beschäftigt sich seit 15 Jahren mit Serien-Mördern. Zu über 50 von ihnen hat er im Laufe dieser Zeit persönlich Kontakt aufgenommen, mit ihnen Gespräche geführt. Das Ergebnis: "Das Serienmörder-Prinzip - Was zwingt Menschen zum Bösen?" Ein Sachbuch, das man getrost populärwissenschaftlich nennen darf. "Da habe ich überhaupt kein Problem mit", sagt der 42-Jährige, der mit seinen Forschungsergebnissen sehr bewusst an die Öffentlichkeit geht. Natürlich weiß er dabei auch um die gruselige Faszination, die das Thema hat. "Machen wir uns nichts vor. Diese Menschen, die wir nicht verstehen, faszinieren uns besonders." Genau hier setzt auch schnell Kritik ein. "Ich kann verstehen, dass Leute fragen, wieso diese Mörder noch ein Forum bekommen." Harbort hält dann mit seiner stets sanften Stimme dagegen: Man dürfe diese Tragödien nicht aus der Ferne betrachten. Wichtig sei es, Lehren für die Zukunft zu ziehen, damit "unser Umfeld sensibler und ehrlicher miteinander wird". Tatsächlich ist Harbort immer wieder in Gesprächen mit Tätern auf einen - für ihn ganz wichtigen - Satz gestoßen: "Wenn ich mal irgendwann hätte reden können, wäre das alles nicht passiert."Für seine Arbeit braucht Harbort vor allem viel Geduld. Oft dauert es Jahre, bevor ein Treffen stattfindet. "Man muss so ein zartes Gefühl von Vertrauen und Verständnis aufbauen." Für den Außenstehenden eine unheimliche Vorstellung: Ein Gefühl von Verständnis für einen Vergewaltiger oder Kindermörder. Die Täter sind so unterschiedlich wie Menschen nur sein können. Besonders schlau sind wohl die wenigsten. Eines gemein haben sie allerdings: "Denen geht's tatsächlich um Identität und Macht." Das Serienmörder-Prinzip, das Harbort entwickelt, hat sieben Stufen. Es beginnt mit der Genese, dem Schlüsselerlebnis, und endet mit der Serialität, dem endgültigen Verlieren jeglichen Maßes. Er hat damit eine Struktur herausgearbeitet, die künftig bei der Vorbeugung eine Rolle spielen könnte. "Wenn wir beispielsweise einen Jugendlichen haben, der wegen Körperverletzung etwa an einem Mädchen festgenommen wird und die Tat doch irgendwie seltsam erscheint, müssen alle Alarmglocken angehen." Seine Forschungsergebnisse bringt Harbort jetzt auch in ein Projekt an der Universität Kassel ein. "Alles sehr statistisch", wie er sagt. Das Ziel: Prognosen für die Rückfälligkeit von Tätern geben zu können. Für den kriminalistisch interessierten Laien ist Harborts neues Buch ein vorsichtiger Blick in die Köpfe von Monstern, die doch Menschen sind. Ein Einblick, der durchaus sensibler macht für den Alltag. Am Ende der Lektüre überlegt man (der Autorin erging es so) sehr wohl, ob man ein Fenster noch auf Kippe lässt. Harbbort nickt bei diesem Geständnis: "Man muss sich natürlich davor hüten, sich in Ängste hineinzusteigern. Aber eine gewisse Vorsicht kann nicht schaden. Das ist doch schon ein schöner Erfolg fürs Buch." |