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Deutsche Presseagentur, 24.7.1998

Kommissar jagt Serienmörder mit dem Computer

Von Christian Ebner

"Auch mit dem Computer kann man Serienmördern auf die Spur kommen. Das meint der Düsseldorfer Kriminaloberkommissar Stephan Harbort, der in privater Kleinarbeit sämtliche in Deutschland bekannten Mordserien seit 1945 untersucht. Besondere Aufmerksamkeit widmet Harbort Raub- und Sexualmördern. Für diese legte er empirische Persönlichkeitsprofile an. Das Ergebnis: Sexualmörder treiben durchschnittlich viereinhalb Jahre lang ihr Unwesen.

Mehr als drei Viertel der untersuchten Täter waren der Polizei bereits wegen einschlägiger Sexualstraftaten bekannt. Unter den Mehrfach-Raubmördern waren sogar 88,9 Prozent vorher mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Nach der Tat blieben sie meist dreieinviertel Jahre unentdeckt - sofern sie überhaupt gefasst wurden. Denn während bei "normalen" Tötungen zunächst die Bezugsperson des Opfers ins Visier genommen wird und sich unter ihnen auch oft der Täter findet, geben Serienmörder größere Rätsel auf. Die Aufklärungsquote ist daher gering: Lag sie zwischen 1986 und 1995 bei Sexual- und Raubmorden bei 91,2 Prozent, fallen die Zahlen bei Serien schlechter aus. Von 407 zwischen 1945 und 1995 verübten Morden seien nur 266 (65,36 Prozent) vollständig geklärt worden.

Wenn die herkömmliche Kriminalistik versagt, soll das von Harbort entwickelte Täterprofil weiterhelfen. Er schließt dabei nicht von Tatortspuren auf die Persönlichkeit des Täters, sondern sucht bei bekannten Tätern nach gemeinsamen Merkmalen. Von 55 untersuchten, aus sexuellem Antrieb handelnden Serienmördern wohnten viele in Großstädten, waren ledig oder geschieden, kinderlos, durchschnittlich intelligent und 16 bis 36 Jahre alt. In der Öffentlichkeit zeigten sie sich angepasst und neigten nicht zu Drogenmissbrauch. 82 Prozent zeigten ein auffälliges Sexualverhalten wie Fetischismus oder Pädophilie.

Diese und andere Eigenschaften werden vom Computer gewichtet und mit dem theoretischen "Ideal-Mörder" verglichen. Rechtschaffene Bürger könnten sich nach Harborts Angaben nur schwer in diesem Raster verfangen. Auf Ronny Rieken, den mutmaßlichen Mörder von Christina (11) und Ulrike (13), treffen zwölf von 15 überprüften Merkmalen zu, sagt der Kommissar."


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