Pressespiegel (Auswahl) Zur Person Frankfurter Rundschau, 06.12.2006 S.40, Ausgabe: R Region Tätertypen und Kriminelle Laufbahnen Als Serienmörder gilt nach einer FBI-Definition ein Täter, der mindestens drei Mal an unterschiedlichen Orten getötet hat. Die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Verbrechen können so groß sein, dass die Morde zunächst als Einzeltaten erscheinen. Der Serientäter sucht seine Opfer gezielt; die Kriterien dieser Auswahl sind freilich für die ermittelnden Polizisten nicht von Anfang an klar und offensichtlich. Als Massenmörder bezeichnen Kriminologen dagegen Täter, die am selben Ort binnen kurzer Frist mehrere Menschen umbringen, zum Beispiel Amokläufer. Sie handeln häufig im Affekt, töten ziellos. Eine Abart sind die Rausch-Mörder oder Spree-Killer (hat nichts mit dem Fluss zu tun, sondern mit dem englischen Wort für Rausch: spree). Bei ihnen können die Tatorte variieren, aber sie töten in kurzem zeitlichem Abstand - gleichsam in einem Anfall von Mordlust. Weiß, männlich, intelligent - so stellt sich der typische Serienmörder dar. Diese Typologie wurde zunächst in den USA entwickelt. Pionierarbeit leisteten im FBI die Kriminalisten John Douglas und Robert Ressler. Sie teilten ihre Täter und Verdächtigen grob in zwei Kategorien. Der "planvoll vorgehende Serienmörder": intelligent, gebildet, sozial angepasst, geordnete Familienverhältnisse, sichere Stellung im Beruf; reist gern und versteckt seine Leichen penibel. Der "planlose" Täter ist eher die Unterschichtsvariante: niedriger IQ, wechselnde Jobs, sozialer Außenseiter; lebt und arbeitet in Tatortnähe. Ein mäßig intelligenter Großstädter - so sieht der Kriminologe Stephan Harbort den durchschnittlichen deutschen Serientäter. Ledig oder geschieden, jedenfalls kinderlos, sozial angepasst, zwischen 16 und 36 Jahren alt. Harbort hat Inhaftierte ausführlich befragt und festgestellt, dass drei Viertel der Sexualtäter bereits vor ihrer Mordserie durch einschlägige Straftaten aufgefallen sind. Insbesondere bei sadistischen Serienmördern bemerkte er gleichartige Hirnanomalien, die oft auf frühkindliche Schädigungen zurückzuführen waren und die Verbrechen zumindest mit ausgelöst haben könnten. In einem Phasenmodell stellt Harbort die charakteristische Täterkarriere dar. In einer Prägungsphase erleben spätere Serienmörder danach oft "Schlüsselreize" wie zum Beispiel eine Tierschlachtung, die sie als "irgendwie erregend" empfinden. In der Entwicklungsphase werden ähnliche Beobachtungen gezielt gesucht, in der Verselbständigungsphase folgen erste Delikte, etwa Tierquälerei. Etwa zehn Jahre dauert nach Harborts Erkenntnissen die Probierphase an, in der sich Tötungsfantasien herauskristallisieren, es kommt zu Tatversuchen. Auf den ersten Mord folgt dann eine Vertiefungsphase, geprägt durch eine Mischung aus Befriedigung des Täters und Angst vor Entdeckung. Irgendwann, oft Jahre später, reicht ihm dann das Nacherleben des Verbrechens nicht mehr. Die Wiederholungsphase beginnt, aus dem Einzeltäter wird endgültig ein Serienmörder, die Zeitspannen zwischen den Gewaltakten werden kürzer. 8,6 Prozent der Tötungsdelikte in Deutschland sollen auf das Konto von Serienmördern gehen. Ansonsten differieren die Schätzungen über Täter und Tatverdächtige beträchtlich. Selbst die verbreitete Ansicht, dass deren Anzahl zunehme, bleibt nicht unbestritten. Vielleicht tragen auch nur effizientere Ermittlungsmethoden dazu bei, Bezüge zwischen einzelnen Taten zu erkennen. Literatur John Douglas / Mark Olshaker: Die Seele des Mörders. 25 Jahre in der FBI-Spezialeinheit für Serienverbrechen. Goldmann Verlag, München 1998, 443 Seiten, 10 Euro. Der FBI-Mann Douglas gilt als Begründer der kriminologischen Analysen von Serienmördern. Seine Arbeit bot unter anderem den Stoff für den Film "Das Schweigen der Lämmer". Zahlreiche weitere Bücher, teilweise zusammen mit dem Krimiautor Mark Olshaker. Stephan Harbort: Das Serienmörder-Prinzip. Was zwingt Menschen zum Bösen? Droste Verlag, Düsseldorf 2006, 335 Seiten, 18,95 Euro. Der Kriminalhauptkommissar aus Düsseldorf gilt als anerkannter Experte für Serienmörder; ist noch mit mehreren anderen Büchern auf dem Markt. |