Pressespiegel (Auswahl) Zur Person Hamburger Morgenpost, 29.11.1999 von Thomas Hirschbiegel Noch 8 Serienmörder auf der Flucht Deutschlandweit sind mindestens noch acht weitere Serienmörder auf der Flucht. 31 Menschen fielen ihnen bisher zum Opfer. Und die unbekannten Täter morden weiter. Das ist das Ergebnis der ersten deutschen Kripo-Studie über Serienkiller. "Auch im Land der Dichter und Denker wird in Serie gemordet - und das nicht zu knapp", sagt der Düsseldorfer Oberkommissar Stephan Harbort. Er ist der Verfasser der Studie, die die Leitung der Hamburger Mordkommission zur Zeit auswertet. Der 38-jährige Kripomann Harbort hatte lange bei der Duisburger Mordkommission gearbeitet. Bei der Arbeit ärgerte sich der heutige stellvertretende Kommissariatsleiter, dass es in Deutschland kaum kriminalistische Publikationen über Serientäter gibt. Das ließ ihn nicht ruhen. Viereinhalb Jahre lang trug er alles zusammen, was er bekommen konnte. "Ich nutzte 11.400 Quellen für die Datenerhebung", sagte Harbort der MOPO. So analysierte er unter anderem die Fälle von 54 Männern und sieben Frauen, die seit 1945 mindestens drei Menschen getötet hatten. Zu jedem Täter wurden 232 Fragen beantwortet. Es kam heraus: 67,9 Prozent der Täter hatten einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten (IQ). Nur sieben Prozent von ihnen waren debil. Erstaunlich: Während intelligente Mörder durchschnittlich viereinhalb Jahre nach ihrer ersten Tat gefasst wurden, dauerte die Ermittlung bei extrem dummen Mördern oft doppelt so lange. So konnte einer der schlimmsten deutschen Serienmörder, der Duisburger Waschraumwärter Joachim Kroll, binnen 20 Jahren acht Menschen töten. Vermutlich waren es noch weit mehr. Doch Kroll, der einen IQ von lediglich 76 hatte, berief sich auf große Erinnerungslücken. 80 Prozent der Täter hatten eine gestörte Beziehung zu ihrer Mutter. 55 Prozent hatten die Hauptschule besucht,12 Prozent besaßen das Abitur. Fast 40 Prozent waren zur Tatzeit arbeitslos. 79,3 Prozent hatten Vorstrafen. Das Durchschnittsalter lag zwischen 18 und 29 Jahren. Von Sadismus über Exhibitionismus bis hin zur Sodomie zeigte etwa ein gutes Drittel der Täter so genannte gestörte Sexualpräferenzen. Serientäter suchen ihre Opfer oft nur 30 Kilometer von ihrem eigenen Wohnort entfernt. Dazu passt, dass Bernd K., der Killer von der A 24, sein vermutlich erstes Opfer Elke Schmitt (29) in einem Wald bei seiner Heimatstadt Pritzwalk in Brandenburg tötete. Laut Oberkommissar Harbort geht etwa jedes zwölfte Tötungsdelikt auf das Konto eines Serientäters. 21 Mordserien mit 79 Opfern konnten seit 1945 nie aufgeklärt werden. Mindestens acht Täter sind noch aktiv. Auch in Norddeutschland? Stephan Harbort: "Ja, aber dazu möchte ich aus Rücksicht auf die ermittelnden Kollegen nichts weiter sagen." In Hamburg könnten alte Menschen Opfer eines Serienkillers geworden sein. 1996 hatte ein Hauptkommissar der Hamburger Mordkommission diese These vertreten. Zwischen Juni 1993 und Februar 1999 waren in einem kleinen Gebiet im Raum Winterhude/Barmbek Elfriede B. (78), Lissy P. (80) und der 86-jährige Bernhard H. ermordet worden. Die Kollegen des Kriminalers blieben skeptisch. Fakt ist: Sehr viele Morde an Rentnern im ganzen Stadtgebiet sind bis heute nicht geklärt. |