Pressespiegel (Auswahl) Zur Person Rheinische Post, 29.7.1998 Von D. Schmidt-Elmendorff Kriminaloberkommissar Stephan Harbort (34) jagt Serienmörder mit dem Computer "Spätere Tat ist das genaue Spiegelbild eines Erlebnisses" Jeder Serienmörder hinterläßt bei seiner Tat eine bestimmte "Handschrift". Sei es, daß er ein Kleidungsstück des Opfers mitnimmt oder der Leiche Verletzungen beibringt. In den USA entwirft das FBI anhand dieser Merkmale ein "Psychologisches Täterprofil". Stephan Harbort, Kriminaloberkommissar aus Düsseldorf, übernahm die Grundidee, anhand eines Persönlichkeitsprofils nach Tätern zu fahnden, aber "diese psychologischen Suchkriterien führen selten zu einer bestimmten Person". In vierjähriger Fleißarbeit - ohne öffentliche Unterstützung - wertete er anhand von Tatortbefunden, Vernehmungen, Urteilsschriften und psychologischen Gutachten die Fälle von 55 Mehrfachmördern aus, die nach 1945 ermittelt worden waren, und filterte gemeinsame Verhaltensmerkmale und Persönlichkeitsstrukturen heraus. Ausgehend vom Tatmotiv unterschied er den multiplen Sexual- vom Raubmörder und erstellte ein sogenanntes "Empirisches Täterprofil" als Fahndungs- und Ermittlungshilfe.. Danach sind die etwa 16 bis 36 Jahre alten Täter meist ledig, kinderlos, gelten als introvertierte und bindungsschwache Einzelgänger und stammen aus einem Elternhaus mit psycho-sozialen Auffälligkeiten. Harbort hat herausgefunden, daß viele Täter zwar überdurchschnittlich intelligent sind, aber beruflich hinter ihrem Potential zurückbleiben. "In der Tat wollen sie dann ein unbedingtes Machtgefühl auskosten", erklärt er. Die meisten legen für ihre Straftat keine großen Strecken zurück, Harbort beziffert die Entfernung zum Wohnort, der häufig in Ballungszentren liegt, auf maximal 30 Kilometer. Da Merkmale wie "jung, ledig, deutsch" auch auf viele unbescholtene Bürger zutreffen, hat Harbort seine Indikatoren je nach Aussagekraft mit einem Wert versehen. "Der gemeine Bürger soll sich nicht im Raster verfangen", sagt er. Psychische Störungen bewertet er als "bedeutsame Abweichung". Bei einem sadistisch veranlagten Sexualtäter etwa hat die sexuell motivierte Mordlust ein Schlüsselerlebnis ausgelöst, meist wurde er als Jugendlicher Zeuge einer Tierschlachtung und empfand dabei sexuelle Erregung. "Die spätere Tat ist dann das genaue Spiegelbild dieses Erlebnisses", sagt Harbort. Überhaupt sind viele Täter schon einmal einschlägig aufgefallen. Aber nur aus der Gesamtheit aller Indikatoren lasse sich herausfinden, ob eine überprüfte Person mit dem Täterprofil übereinstimmt, er klärt der Referent beim Polizeifortbildungsinstitut der Polizei in Neuss. Sollte also nach einer bestimmten Berechnung die Übereinstimmung mindestens 70 Prozent betragen, empfiehlt Harbort eine Alibi-Überprüfung. Anwenden lasse sich sein Raster nur auf solche Fälle, bei denen mindestens zwei vollendete Tötungen vorliegen und gewisse Ähnlichkeiten hinsichtlich des Modus operandi, der Tatwaffe und des Tatorts bestehen. "Bei einem gewöhnlichen Tötungsdelikt hat sich das Motiv mit der Tat erledigt", erklärt Harbort, "der Serienmörder lebt bei der Tat sein Motiv aus". Außerdem kennt er sein Opfer nicht, was die Ermittlungen für die Polizei erschwert. In den von ihm untersuchten Fällen konnte der Täter über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren ungestört morden, bis er meist zufällig gefaßt wurde. "Dann legen sie häufig eine Lebensbeichte ab", erklärt der Kriminalkommissar, der ergänzt: "Denn obwohl sie alles daran setzen, nicht gefaßt zu werden, empfinden sie ihre eigene Situation als unerträglich." |