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Ruhr-Nachrichten, 28.06.2001
von Ariane Büscher

Mord ist sein Hobby. Stephan Harbort erforscht Serien-Killer / "Fünf bis sieben Täter laufen frei herum".

Auch wenn ihr Spürsinn sich ähnelt, ist Stephan Harbort nicht Miss Marples männliches Gegenstück. Er schaut Serienmördern auf die Finger - wissenschaftlich und in seiner Freizeit.

Das Arbeitszimmer des Düsseldorfer Kriminalbeamten sieht aus wie das Hauptquartier einer Sonderkommission. Große Deutschlandkarten sind mit bunten Heftzwecken gespickt, die alle Mord-Tatorte seit 1945 anzeigen. Regale sind mit Aktenordnern und Büchern über die Psyche der Verbrecher gefüllt. Harbort sucht fieberhaft nach Täterprofilen, nach Parallelen zwischen den oft extrem grausamen Delikten. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und das Buch "Das Hannibal-Syndrom" sind das Ergebnis.

Doch noch wichtiger ist Harborts Fazit: "Mindestens fünf bis sieben Serientäter laufen frei herum." Acht Mordserien seien in den letzten zwölf Jahren ungeklärt geblieben. Doch ein bis zwei Täter säßen - so seine statistische Auswertung - wahrscheinlich wegen anderer Delikte im Gefängnis oder seien gestorben.

"Die Täter haben nicht immer eine eigene Handschrift", erklärt Harbort, warum Mordserien manchmal als solche nicht erkannt werden. Die Vorgehensweise verändere sich zumindest von der ersten bis zur dritten Tat: "Auch ein Serienmörder lernt dazu." Wenn sich erwachsene Opfer zu sehr wehrten und der Kriminelle sich dadurch in seiner "Macht" eingeschränkt fühle, vergreife er sich zum Beispiel auf Dauer an Kindern.

Nachdem er fünf Jahre lang Literatur, Medien und Datenbanken durchsucht und die Ergebnisse ausgewertet hat, wagt Stephan Harbort die Charakterisierung eines Serienmörders: "Er ist bei der Ersttat zwischen 25 und 27 Jahre alt, ist Schul- und Berufsversager, ledig, kinderlos und geht einer unterprivilegierten beruflichen Tätigkeit nach."

Nach einer Studie an 61 Probanden geht Harbort bei 40 Prozent der Täter von sexuellen Motiven aus, weitere 40 Prozent seien Raubmörder. Die übrigen 20 Prozent mordeten wegen Konflikten im Familien- oder Freundeskreis, aus politischen, religiösen oder schlicht nicht nachvollziehbaren Gründen. Gemeinsam mit einer psychologischen Forschergruppe an der Uni Wuppertal möchte Stephan Harbort jetzt eine Art "Frühwarnsystem" entwickeln, mit dem potenzielle Serientäter erkannt werden können, bevor sie gefährlich werden.

Stephan Harbort befasst sich mit dem Thema Serienmord, weil "wir keine genügenden Erkenntnisse habe". Noch fünf Jahre, dann möchte der Forscher sich in seiner Freizeit mit angenehmeren Dingen beschäftigen.


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