Pressespiegel (Auswahl) Zur Person Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 27.02.2007 Wie viel wahre Polizeiarbeit steckt in einem Fernsehkrimi? Stephan Harbort vom Polizeipräsidium Düsseldorf prüft Drehbücher auf ihre Authentizität - zum Beispiel die Vorlage zur Krimiserie "Donna Roma" mit Jutta Speidel. Von Susanne Schild Düsseldorf. Was macht einen Menschen zum Monster? Etliche verurteilte Vergewaltiger und Mörder interviewte Stephan Harbort und gilt dank dieser Faktensammlung als Spezialist für Täterprofile. In der deutschen Polizeiarbeit ist das so genannte Profiling relativ neu, im Fernsehkrimi gerade mächtig en vogue. Bei dieser komplexen Materie dürfen immer öfter echte Kriminalisten die Drehbücher korrigieren: Der 42-jährige Harbort arbeitet als Kriminalhauptkommissar beim Polizeipräsidium Düsseldorf - und machte jüngst bei der neuen Miniserie "Donna Roma" (ZDF, ab morgen, 20.15 Uhr) mit. Die sonst auf Nonne und Muttityp geprägte Jutta Speidel spielt in der deutsch-italienischen Produktion eine Fallanalytikerin. Auf den ersten Blick mag das gar nicht passen; und natürlich geht es in "Donna Roma" auch um Liebe und Familienglück und Jutta Speidel ist ein bisschen wie immer: Stets hat sie ein Paar Wechselschuhe in der Handtasche, drückt die weinende Tochter an ihren Busen und mixt sich ein figurschonendes Müsli. Nichtsdestotrotz will die Serie aber einen Einblick in die Arbeit von Kriminalpsychologen geben, von denen etwa 150 in deutschen Landeskriminalämtern tätig sind." Mir ist es sehr wichtig, dass der Zuschauer nachvollziehen kann, wie die Kommissarin zu ihrer Schlussfolgerung kommt", sagt Stephan Harbort. Also nicht - wie in vielen US-Serien - dank Instinkt oder Intuition, sondern gut gepuzzelt, als Resultat einer langwierigen Analyse.So sieht man Jutta Speidel angestrengt im Internet recherchieren, mit Textmarkern hantieren und Fotos an einer Wäscheleine arrangieren. Den Gegenentwurf zu dieser Arbeit bildet der flüchtig dahinwuselnde Luca Barbareschi, der Speidels italienischen Kollegen spielt (und ihre Gefühle durcheinander wirbelt). Laut Harbort sind beide Arbeitsweisen authentisch, und so hatte er an den Drehbüchern zu der vierteiligen Miniserie "nur 15 bis 48 Punkte" zu bemängeln. Seit 20 Jahren berät der Kriminalist Produktionsfirmen und Autoren. "Ich jäte das Unkraut", beschreibt Harbort seine Arbeit. Insgesamt seien in den letzten fünf Jahren die Drehbücher besser, will heißen: realitätsnäher, geworden. "Aber vieles ist immer noch Science Fiction des Autoren." Inzwischen hat der Düsseldorfer Familienvater selbst mehrere Fachbücher veröffentlicht. Sein jüngstes, "Das Serienmörder-Prinzip", ist im Herbst 2006 erschienen. An einem eigenen Drehbuch hat sich Stephan Harbort noch nicht versucht. "Ich bin zwar ein lebendes Kriminalarchiv", meint er, aber zum Drehbuch-Schreiben brauchte es doch spezielle Fertigkeiten. Mit "Donna Roma" will das ZDF das Profil eines neuen Formates schärfen: Die vier Teile à 60 Minuten werden an aufeinander folgenden Donnerstagen ausgestrahlt. Dazu werden die jeweils abgeschlossenen Kriminalfälle mit einer durchgehenden Beziehungsgeschichte verbunden - in der Jutta Speidel zwischen dem attraktiven italienischen Kommissar und ihrem untreuen deutschen Ehemann schwankt. Ob die in Deutschland und in Italien beliebte Jutta Speidel eine gute Besetzung für die Rolle der nüchtern denkenden Analytikerin sei? In aller Freundschaft - diese Frage lässt Stephan Harbort unbeantwortet. |