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Westdeutsche Zeitung, 24.03.2001
von Tanja Wolf

Geschlitzt, gesägt, gekocht - Ein Düsseldorfer Kommissar erforscht seit Jahren Serienkiller. Jetzt gibt es sein erstes Buch für Laien. "Das Hannibal-Syndrom" bietet Schauderhaftes wissenschaftlich.

"Ich wusste, dass das Würgen äußerst qualvoll ist. Ich habe immer nur von vorne gewürgt, weil ich ein Interesse daran hatte, die Qualen im Gesicht des Opfers zu sehen. Die Opfer werden erst im Gesicht blau, die Augen treten hervor. Sie zucken am ganzen Körper, sie strampeln noch mit den Füßen, dann sacken sie zusammen." Der Frankfurter Gerhard Bold erwürgte 1971 innerhalb von neun Wochen vier Frauen. Ein Serienmörder. Und somit ein Fall für Stephan Harbort.

"Das Hannibal-Syndrom" heißt sein neues Buch. Bisher hat der Kriminaloberkommissar für die Fachwelt geschrieben, jetzt ist sein erstes populärwissenschaftliches Buch erschienen. "Es ist ein erklärende Erzählung", sagt Harbort. "Ich möchte den Leser wegführen von den FBI- und Hollywood-Klischees."

Das ist keine leichte Kost. Es wird gewürgt, gedrosselt, gefoltert, geschnitten, geschlitzt, gesägt, gekocht, gegessen. Doch der Titel war nicht Harborts Idee, sondern die des Verlages. "Als ich angefangen habe zu schreiben, war gar nicht klar, wann überhaupt ein zweiter Hannibal-Lecter-Teil gedreht würde." Harbort interessiert, wovon die Täter angetrieben werden. Und das auch aus beruflicher Sicht.

"Nur 82 Prozent der Serienmorde werden aufgeklärt. Statistisch dauert es dreieinhalb Jahre, bis solch ein Täter gefasst wird. In dieser Zeit begeht er im Schnitt sechs Morde." Die Polizei habe bislang "erhebliche Probleme", eine Serie überhaupt zu erkennen, denn Serientäter töten oft wahllos, die klassische Kriminalistik mit einer Täter-Opfer-Beziehung greift nicht.

Harbort will aber keine Panik schüren. Serienmord symbolisiert zwar "die Quintessenz des Bösen", ist aber ein seltenes Phänomen. Seit mehr als sechs Jahren forscht der 36-Jährige auf diesem Gebiet. Er hat ein Raster entwickelt, das er als ergänzendes Hilfsmittel für das Profil eines gesuchten Täters anbietet. Die Kripo Bremen bat ihn bereits zur Mithilfe. Der Mörder einer jungen Frau stellte sich zwar selbst, aber seine Analyse sei zu 83 Prozent zutreffend gewesen.

Die Polizei in Kehl macht sich seine neueste Arbeit zunutze: Zusammen mit der Universität Liverpool arbeitet Harbort an der Software "Dragnet", die anhand von Tat- und Wohnort das Gebiet ausrechnet, in dem der Mörder vermutlich wohnt. "Dann müssen nicht 20 000 Männer zum Speicheltest geladen werden."


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