Pressespiegel (Auswahl) Zur Person Westdeutsche Zeitung, 22.10.1999 Von Tanja Wolf Raster gegen das mörderische Grauen Ein Düsseldorfer Polizist hat die erste Studie über deutsche Serienmörder verfaßt. Sein Ergebnis widerlegt die Lehrmeinung. Das Grauen ist sauber abgeheftet. In 77 Aktenordnern hat Stephan Harbort es gesammelt. Akten, Artikel und Urteile über ein schockierendes Verbrechen: Serienmord. Und das gleich 61 Mal. Denn Stephan Harbort ist Kommissar, und Serienmorde sind in Deutschland bislang ein kaum erforschtes Phänomen. Warum wird ein Mensch zum Mörder? Und warum zum Serienmörder? Die Antworten, die er fand, ließen ihn immer unzufrieden zurück. "Die anglo-amerikanische Forschung hat den Serientäter stets als Sexualmörder definiert. Aber das ist eine unzulässige Vereinfachung", sagt Harbort. 35 Jahre ist er alt, Kriminaloberkommissar und bereits zweifacher Fachbuchautor. Nach fast fünf Jahren Arbeit hat er nun eine Studie fertig, die die bisherige Lehrmeinung erschüttert. Er hat alle Serienmörder in Deutschland seit 1945 untersucht, das waren 61 Täter und mindestens 453 Mordopfer. Eine Zweiteilung in organisiert und nicht-organisiert vorgehende Täter treffe dabei schon einmal nicht zu. "Es sind immer Mischformen. Jede Tat ist durchdrungen von chaotischen Elementen." Hochintelligent wie im "Schweigen der Lämmer" seien die Täter ebenfalls nicht, statt dessen nur mäßig bis durchschnittlich intelligent und von "ausgesprochener Gemütsarmut". Viele hatten eine von Gewalt und Alkoholismus geprägte Kindheit, viele auch Gehirn-Anomalien. In der Regel waren die Täter auch vorbestraft. Aber nicht unbedingt wegen Mordes. Auch Beleidigung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung oder Missbrauch kommen in Frage, denn möglicherweise, so formuliert Harbort nüchtern, "hat der Täter seine Tötungsabsicht nicht durchgeführt". Als Zufallsprodukt ist so ein Fahndungsraster entstanden, das einen Kreis von möglichen Tatverdächtigen eingrenzt, die dann über eine DNA-Analyse oder ihr Alibi näher überprüft werden können. "Eine Täter-Opfer-Beziehung gibt es zu 80 Prozent bei Serienmorden nicht. Viele Täter wählen ihre Opfer zufällig aus. Deshalb ist es so schwer, sie zu fassen.." So wurde Jürgen Bartsch, der Metzger, der in den sechziger Jahren vier Jungen in einem Langenfelder Luftschutzstollen massakrierte, erst vier Jahre nach seiner ersten Tat gefasst. Stephan Harbort kann sich vor Anfragen kaum retten, hält Vorlesungen, debattiert mit Medizinern und Psychologen. Alpträume hat er nicht. "Serienmörder sind ja ein recht seltenes Phänomen." Aber ein faszinierendes. Und so hat Harbort den "Mord in Serie" auch schon als Buch fertig, in spannender Version. Nur ein Verlag fehlt. |