Pressespiegel (Auswahl) Zur Person ZDF, "Hallo Deutschland", 07.11.2001 von L. Klug/ M. Bonkowski/ M. Andrich Auf der Spur von Serienmördern - Der Kriminologe Stephan Harbort erstellt Täterprofile von Serienkillern. Im Juni 2001 wird der 31-jährige Olaf D. von der Polizei in Bremerhaven festgenommen. Der ehemalige Krankenpfleger hat zugegeben, fünf Rentnerinnen ermordet und beraubt zu haben. Sein sechstes Opfer überlebte, konnte die Polizei verständigen. Wenige Tage später wird bekannt, dass der mittlerweile geständige Serienmörder von Kehl in Frankreich gefasst wurde. Der Düsseldorfer Kriminologe Stephan Harbort gilt als Experte in Sachen Serienkiller. Die Fälle in Bremerhaven und Kehl zeigen seiner Ansicht nach, warum es so schwierig ist, gegen Serienmörder zu ermitteln. "In Bremerhaven war die Besonderheit, dass einige Tötungsdelikte als solche gar nicht erkannt wurden. Ich habe im Rahmen eigener Untersuchungen festgestellt, dass jedes vierte serielle Tötungsdelikt nicht als Kapitaldelikt erkannt wurde, das heißt, man ging zunächst von einer natürlichen Todesursache aus." Auch bei den Frauenmorden in Kehl versagten die klassischen Ermittlungsmethoden. Die Überführung des Täters war ein Zufallstreffer: "In Kehl trat die Besonderheit auf, dass es zwischen Täter und Opfern keine vordeliktische Beziehung gab. In 80 Prozent der Fälle, bei seriellen Sexualmorden sogar in 89 Prozent der Fälle, besteht keine Beziehung zwischen Täter und Opfern, die sich dann mehr oder weniger zufällig begegnen." Serienmörder haben mindestens drei Morde an drei unterschiedlichen Orten begangen. Seit 1945 blieben in Deutschland 22 Mordserien mit insgesamt 83 Opfern ungeklärt. Im Büro von Stephan Harbort hängt eine Deutschlandkarte, auf der alle Serienmorde verzeichnet sind, die in den vergangenen 55 Jahren nicht abgeurteilt werden konnten. "Jeder Stecknadelkopf steht für eine Einzeltat", erklärt der Düsseldorfer Kriminologe. "Schwarz bedeutet, dass kein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Ein weißer Stecknadelkopf sagt aus, es gab wohl einen Tatverdächtigen, der jedoch nicht angeklagt wurde." Die Kriminalpolizei hat bei ihren Ermittlungen immer mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Mit Hilfe spezieller Computersoftware und mit so genannten Profilern versuchen die Ermittler, den Tätern auf die Spur zu kommen. Harbort weiß: "Es gibt eine ganze Reihe von Tätertypen, die man einigermaßen einschlägig charakterisieren kann, aber Serientäter über einen Kamm zu scheren, ist unmöglich." Trotzdem versuchte er, ein Täterprofil zu erstellen. Ein überaus schwieriges und aufwändiges Unterfangen. Über elftausend Quellen hat Harbort für seine Studien ausgewertet. Mit allen in Deutschland einsitzenden Serienmördern hat er Kontakt aufgenommen. Darunter Horst D., der insgesamt sieben Menschen ermordete. Er ließ sich in handschriftlichen Briefen über sein Tatmotiv aus. Und Thomas R., sechsfacher Mörder aus Berlin. Beim persönlichen Gespräch mit einem dreifachen Mörder kam es zu einer bizarren Begegnung. "Zum einen war es eine Begegnung mit einem eloquenten, intelligenten Menschen, der auch so etwas wie Sympathie hervorrufen konnte", erinnert sich Harbort, "zum anderen war er ein Mensch, der nach etwa dreieinhalb Stunden aufsprang und vor meinen Augen lustvoll demonstrierte, wie er einem Menschen den Kehlschnitt setzte." Nach Harborts Untersuchungen ist der durchschnittliche Serienmörder in Deutschland männlich, deutsch, zwischen 18 und 39 Jahre alt, ledig oder geschieden und kinderlos. Die Intelligent ist eher unterdurchschnittlich. Auch nach den Festnahmen von Kehl und Bremerhaven fahndet die Kripo überall in Deutschland nach aktiven Serienmördern - aus polizeitaktischen Gründen wird dies offiziell nicht bestätigt. Olaf D. wurde gefasst, doch Experten gehen davon aus, dass zur Zeit mindestens sieben Serienmörder in Deutschland auf freiem Fuß sind. |